Veganuary: Challenge mit Effekt

Kategorie: Veganuary: Challenge mit Effekt

Schon mal eine Challenge mitgemacht?

Denn genau das ist der Veganuary: Einen Monat kein Fleisch, keine Milchprodukte, einfach alles pflanzlich. Und auch wenn man sich hier keinen Eimer kaltes Wasser über den Kopf schütten muss, ist er beliebt, denn hier geht es nicht um Mut, sondern um eine ganzheitlich neue Erfahrung. Du überlegst, dieses mal auch dabei zu sein? Unsere 10 Quick Facts geben dir erste Orientierung. 

#1 Veganuary – schweres Wort mit einfacher Message

Matthew Glover und Jane Land aus Großbritannien hatten die Idee des veganen Monats und haben damit eine weltweite soziale Bewegung ausgelöst, die sich jedes Jahr im Januar wiederholt und immer mehr Anhänger findet. Vielleicht liegt es daran, dass der erste Monat im Jahr bei vielen sowieso nach Veränderung schreit. Seien es die guten Vorsätze oder die Sache an sich – der Erfolg gibt der Initiative jedenfalls recht. Selten hat eine Nahrungskampagne so eingeschlagen und ein bis dato unbeliebtes Thema nachhaltig ins Gerede gebracht. Nicht nur Privatpersonen, auch die Lebensmittelriesen haben sich darauf eingestellt und platzieren immer mehr Produkte mit dem Siegel „vegan“ im Regal. Es scheint sich zu lohnen, denn der Absatz steigt kontinuierlich und das Angebot ist mittlerweile riesig. Ein Blick auf die Zahlen bestätigt: Ende Januar 2021 hatte der Hashtag #Veganuary mehr als 117 Millionen Views auf TikoTok, es gab mehr als 1500 Medienberichte darüber und fast 60 führende Unternehmen nahmen an der Veganuary Workplace Challenge teil¹.   

Wie zu erwarten ist die Resonanz enorm: Über 2,8 Millionen Menschen haben seit dem Start im Jahr 2014 getestet, wie das ist – komplett oder zumindest auf dem Teller tierfrei zu leben. Viele berichten von positiven körperlichen Veränderungen wie einer verfeinerten Geschmacksempfindung und verbesserten Blutwerten. Aber stimmt das und – kann man so überhaupt lecker statt werden? Das fragen sich wahrscheinlich alle, die es noch nicht ausprobiert haben. Und weil die selbst gefundenen Antworten immer die ehrlichsten sind, gibt es den veganen Aktionsmonat als Raum für den Selbsttest. Einsteigen lohnt sich, denn die Message beim Veganuary ist ganz klar: Einfach dabei sein, sich drauf einlassen, Neues entdecken – ganz ohne Zwang und Zeigefinger.

#2 Vegan ist keine Hau-Ruck-Aktion 

Wir kennen es alle: Man startet voller Motivation in ein neues Vorhaben und will alles richtig machen, doch nach und nach schleichen sich die Routinen wieder ein. Das passiert besonders dann, wenn man sich Ziele sehr hoch steckt, um dann früher oder später vom eigenen Ehrgeiz überrollt zu werden. Das kann auch bei den ersten Stehversuchen als Veganer:in auf Zeit passieren. Denn alles auf einmal umzustellen klappt selten. Damit sich die Alternativen auf Dauer im Alltag etablieren können, solltest du also nicht mit den Kopf durch die Wand, sondern ruhig erstmal kleine Schritte machen. 

Ersetze zunächst Lebensmittel, bei denen es dir leichtfällt, wie deine Milch im Kaffee oder den Joghurt beim Frühstück. Oder teste dich durch die veganen Streichcremes, anstatt wie gewohnt zur Teewurst aufs Brötchen zu greifen. Und solange das noch ungewohnt ist, bleibt alles andere beim Alten – bis du den nächsten Schritt gehen und weitere Alternativen finden willst. Den neuen Abläufen und Geschmäckern Step by Step eine Chance zu geben, hält deine Motivation oben und gibt dir die nötige Zeit, dich stressfrei umzugewöhnen. 


#3 Entdeckungsreise in der eigenen Küche

Seitanwürste, Burgerpatties aus Erbsen oder sogar der Geburtstagskuchen mit Aquafaba und veganer Schokolade – wer umsteigen möchte, findet mittlerweile unzählige Alternativen für tierische Produkte. In puncto Geschmack, Textur und Eigenschaften halten sie gut mit und lassen die gewohnten Rezepte problemlos weiterleben. So schön, so gut, aber jetzt kommt der experimentierfreudige Teil. Denn tierfreie Ernährung bedeutet mehr, als nur auf Ersatzprodukte umzusteigen. Eigentlich ist sie ein Türöffner zu bislang unentdeckten Geschmackswelten mit unbekannten Gewürzen und Kombi-Kreationen, deren Zubereitung oft eine bemerkenswerte Küchenkreativität freisetzen. Ab diesem Punkt verschwimmen die traditionellen Grenzen der Kochkunst und neue Horizonte tun sich auf. 

Schön ist: Die Vielfalt an Zutaten, Geschmacksrichtungen und Techniken lassen nicht nur Berliner Profiköche experimentieren, sondern bringen uns alle mit Nahrungsmitteln in Kontakt, die wir vielleicht vorher noch nie beachtet haben. Anstatt sich auf die üblichen tierischen Produkte zu verlassen, entdeckst du im Veganuary die reichhaltige Welt pflanzlicher Zutaten neu – von exotischen Früchten und Gemüsesorten bis hin zu vielseitigen Fleischersatzprodukten wie Tofu, Tempeh und Seitan. Die vegane Küche lädt einfach dazu ein, verschiedene Gewürze, Hülsenfrüchte, Getreidearten, Nüsse und alles mögliche auszuprobieren. So kommen laufend neue Farben, Texturen und Aromen auf deinen Teller. Sind wir ehrlich: Hier ist von Langweile keine Spur. 


#4 Dein Körper merkt es als Erster

Wenn du dich auf das vegane Experiment einlässt, kannst du sicher sein: Dein Körper wird es registrieren. Noch besser: Er wird dich wahrscheinlich sogar feiern. Denn ungesund sind Fleisch und tierische Produkte nicht. Allerdings enthalten sie Cholesterin, gesättigte Fette und andere kritische Stoffe, die den Organismus auf Dauer überfordern können. Besonders, wenn man täglich zugreift, steigern Wurst, Butter & Co. das Risiko für bestimmte körperliche Wehwehchen. So leidet z. B. die Herzgesundheit, Blutwerte kommen aus dem Gleichgewicht und Diabetes wird deutlich wahrscheinlicher, wenn tierisches Essen zu oft im Vordergrund steht. Weil der körperliche Abbau schleichend kommt, ist es schwer, ihn rechtzeitig zu bemerken, bevor sich langfristige Schäden abzeichnen. 

Wenn du bisher also etwas nachlässig mit deinem eigenen Körper warst, kannst den Veganuary auch dazu nutzen, besser in dich hineinzuspüren, denn du wirst merken: Allein diese vier veganen Wochen bringen deine Fitness und dein allgemeines Wohlbefinden auf ein spürbar neues Level. Mit Animal-Detox zu einem Gefühl wie frisch geboren? So weit würden wir nicht gehen. Aber lang wird es nicht dauern, bis du dich deutlich belastbarer und vitaler fühlst. 


#5 Nein, die Mukkis verschwinden nicht!

Oder anders gesagt: Auch auf der veganen Schiene kannst du durchaus zur Dampflok werden. Denn dass Nüsschen und Hülsenfrüchte voller Proteine stecken, ist bekannt. Und genau die brauchst du, um Muskeln aufzubauen und zu halten. Also keine Angst vor Leistungslöchern oder schrumpfenden Oberarmen während des Veganuary, denn auch Pflanzen liefern hochwertiges Eiweiß, das dein Körper gut verarbeiten kann. Davon abgesehen steckt pflanzliche Nahrung voller interessanter kleiner Kraftpakete, die deine Zellen vor Entzündungen und Schäden schützen und das Risiko für Zivilisationskrankheiten, Herzprobleme oder manche Krebsarten nochmal senken. 

Die Rede ist von sekundären Pflanzenstoffen, auch Phytonährstoffe oder Antioxidantien genannt. Sie sind zwar keine essenziellen Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralien, ein Defizit führt also nicht unmittelbar zu Krankheiten oder Mangelerscheinungen im klassischen Sinne. Allerdings kannst du mit Phytonährstoffen easy dafür sorgen, bestimmte Gesundheitsprobleme erst gar nicht zu bekommen. Denn die positiven Effekte, die sie auf die Gesundheit haben, sind unstrittig. Deswegen sind sie der Nährboden für dein baumstarkes Immunsystem und helfen, innerliche Entzündungen und andere Schädigungen in Schach zu halten. Phytonährstoffe sorgen u. a. für einen normalen Blutdruck, schwemmen ungesunde Ablagerungen in Blutgefäßen weg und halten somit z. B. Thrombosen fern. Auch chronische Leiden wie Autoimmunerkrankungen lassen sich damit verträglich mildern. Manche positive Auswirkungen kann man sogar sehen, denn eine Extraportion verwöhnender Antioxidantien bringt auch Haut und Haare zum Strahlen. 

Kurz gesagt, die vielen Pflanzenstoffe einer veganen Ernährung kommen einer Frischzellenkur gleich, womit du deinem kompletten Körper einen riesigen Gefallen tust. Du hältst dich fit und gesund und das ganz nebenbei. Erste Fältchen oder hoher Blutdruck? Unsere pflanzlichen Bodyguards kommen gerne zur Hilfe! 


#6 Eine Frage der Ethik – aktiv durch Verzicht

Ein veganes Leben setzt ein starkes Zeichen gegen Tierleid. Wer sich bewusst gegen Produkte aus der (Massen-)Tierhaltung entscheidet, leistet einen aktiven Beitrag zur Verringerung der Fleischproduktion. Das hat Vorteile: Besonders in der modernen Massenproduktion tierischer Lebensmittel sind die Haltungsbedingungen oft unwürdig und grausam, was die Tiere nach jetzigem Kenntnisstand auch eindeutig wahrnehmen. Denn dass Tiere fühlende Wesen sind, die manchmal vor Freude platzen, aber auch mal zum panischen Flitzebogen werden können, wissen die meisten Hunde- und Katzenbesitzer. 

Aber auch die Menschen, die Nutztiere im Sekundentakt weiterverarbeiten, arbeiten jeden Tag an der Grenze der psychischen und physischen Machbarkeit und leben oft ein prekäres Leben ohne soziale Absicherung und Wertschätzung. 

Für viele Veganer:innen sind die miserablen Bedingungen dieser Lebensmittelsparte der Hauptgrund, warum ihnen kein tierisches Produkt mehr in die Tüte kommt. Denn Lebensmittel sollen nicht nur satt machen, sondern auch unter lebenswerten Bedingungen entstehen – für Tier und Mensch gleichermaßen. 


#7 Auch die Umwelt dankt

Über die Hälfte des globalen Ackerlands wird genutzt, um darauf Futterpflanzen für Nutztiere anzubauen. So kommen jährlich 35 Mio. Tonnen Soja aus Mittel- und Südamerika über den großen Teich zu uns und machen unsere Nutztiere satt. Und die bringen Hunger mit: Hochleistungs-Milchkühe produzieren (neben einer Unmenge Methan) fast 10 Tonnen Milch pro Jahr, aus zarten Küken werden in nur sechs Wochen schlachtreife Masthühner – ein Energieumsatz, der ohne enorme Proteindichte aus oft genveränderten Nutzpflanzen nicht zu leisten wäre. In einer Welt mit endlichen Ressourcen stellt sich die Frage: Warum muss ein Großteil unserer Nutzpflanzen den Umweg über Mastbetriebe gehen, bevor sie letztlich doch auf unseren Tellern landen? Denn bis die Tiere in den Genuss des aufwendig hergestellten Kraftfutters kommen, werden neben einer Menge Platz auch viel Wasser und Pestizide gegen Schädlinge und Pilzbefall fällig.

Tierische Lebensmittel mischen auch den Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen ordentlich auf, der in den Industrienationen im Vergleich konstant hoch ist. Neben Weiterverarbeitung und Transport spielen hier auch die Freisetzung von Methan und anderen Klimagasen durch die leistungsoptimierten Nutztieren eine wesentliche Rolle. Der enorme Ressourcenverbrauch für Abtransport und Weiterverarbeitung tut sein Übriges zum Massenfleisch-Irrsinn. Global betrachtet mag es die Einzelperson nicht ändern können, aber ein stiller Protest ist der um sich greifende vegane Lifestyle auf jeden Fall. 


#8 Vegan heißt nicht automatisch gesund

Klar ist: Wer vegan lebt und auf Abwechslung achtet, schadet seinem Körper sicher nicht. Das heißt aber nicht, dass alles, was ohne Tier gemacht wird, automatisch auch gesund ist. Ethisch mag veganer Leberkäse vorne liegen, aber wirft man einen Blick auf die Zutatenlisten von hochverarbeiteten Fleisch- und Wurstalternativen, erinnert das manchmal eher an einen Chemiebaukasten als an frische Pflanzenkost. Ein Grund mehr, die Schätze der Natur kennenzulernen und sie so frisch und unverfälscht wie möglich zu genießen – querbeet und bunt! 

Denn vegan zu sein bedeutet auch nicht, sich automatisch gesund zu ernähren. Ein veganer Speiseplan kann gesund sein, wenn er vielfältig gestaltet ist und alle notwendigen Nährstoffe abdeckt. Einseitig oder unausgewogen zu essen kann bei jeder Ernährungsform zu Mangelerscheinungen führen, insbesondere bei bestimmten Nährstoffen wie Vitamin B12, Eisen und Omega-3-Fettsäuren. Da hilft leckere Abwechslung: Frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sind grenzenlos kombinierbar und reich an allen möglichen sekundären Pflanzenstoffen. So gelingt der gesunde Mix aus wertvollen Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen – auch ohne vorheriges Medizinstudium. Als Faustregel gilt: Je bunter das Essen, desto besser der Vitalstoffmix. 


#9 Vegan für’s Budget

Vegan leben zu können ist purer Luxus, das stimmt. Denn heutzutage verhungern wir nicht mehr ohne tierische Lebensmittel – anders als zu früheren Zeiten. Wir können uns also frei entscheiden, ob wir tierische Produkte essen oder nicht. 

Leider ist die Annahme weit verbreitet, dass dieser Luxus auch sehr teuer ist. Doch die Realität sieht anders aus: Zwar werden Gemüse und Co. nicht wie Fleisch subventioniert, trotzdem muss der vegane Lebensstil nicht am Geld scheitern. Denn tatsächlich ist auch dein Portemonnaie fein mit der pflanzlichen Ernährung, wenn du auf gewisse Dinge achtest.

Während eindeutig als „vegan“ deklarierte Produkte vergleichsweise teuer sein können, sind viele pflanzliche Lebensmittel ohnehin vegan und zugleich preiswert. Bei den meisten gilt: Je weniger verarbeitet, desto gesünder und günstiger. Pflanzliche Grundnahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Getreide und Nüsse sind bei genauerem Hinsehen tatsächlich oft kostengünstiger als Fleisch und tierische Produkte. Und wer öfter damit kocht, weiß auch um den schönen Pluster-Effekt: Mit z. B. einem Kilo getrockneter Hülsenfrüchte oder Couscous bekommst nach dem Quellen locker über das Doppelte an verzehrfertigem Essen heraus. Und die meisten Nüsse gelten zwar als teuer, allerdings relativiert sich der Preis gemessen an ihrer massiven Energiedichte. Und wer saisonal isst, profitiert auch bei Obst und Gemüse von niedrigsten Preisen. Kosten sparen durch ein fleischloses Leben ist also nicht nur möglich, sondern durchaus machbar.  


#10 Die Zeichen stehen gut

Vorbei die Zeiten, in denen man sich im Restaurant mit Salat zu begnügen hatte. Kaum eine Speisekarte führt heutzutage nicht mindestens ein veganes Gericht, selbst kleine und regionale Gastronomen haben die Nachfrage erkannt. Schon 2021 gab es etwa 300 vegane Restaurants in Deutschland, Tendenz noch immer steigend. Ein Nischenprodukt sind pflanzliche Alternativen also schon lange nicht mehr, immerhin gibt es mitterweile ganze Ketten, die sich erfolgreich dem tierfreien Speiseplan verschrieben haben. 

Auch großen Playern im Lebensmitteleinzelhandel beschert die Veggie-Welle ein gutes Umsatzplus. Der Schwerpunkt liegt dabei ganz klar auf Fleischersatzprodukten, deren Hersteller teilweise börsennotiert sind und ihr Portfolio laufend erweitern. Vegan boomt nachhaltig und das zeigen auch die Zahlen: 2019 knackte der Umsatz mit vegetarischen und veganen Produkten erstmals die magische Grenze von einer Milliarde Euro, während das Angebot jährlich um ca. 30 % wächst. Rund 15 % der Produkt-Neuheiten sind rein vegan. Das macht vor allem den Einstieg in die bunte vegane Welt einfach, weil das gewohnte Steak auf dem Grill oder das Schnitzel zum Kartoffelsalat weiterhin drin sind. 

Sogar viele Couchen sind mittlerweile Veggie-Zonen, denn Lieferdienste verzeichnen ebenfalls eine eindeutige Nachfrage: 2021 wurden bei Lieferando 75 % mehr vegane und vegetarische Gerichte bestellt als noch im Jahr zuvor. Spätestens jetzt steht fest: Mittlerweile ist die Veggie-Welle mit einfach jedem Lebensentwurf vereinbar. 


Fazit:

Die Fakten beweisen: Der Veganuary ist mehr die als sozial gehypte Startrampe in einen hippen Lifestyle. Er ist die Chance, ungezwungen in ein Lebenskonzept einzutauchen, das im Außen und Innen wirkt und manchmal ungeahnt gute Impulse setzt. Nutze die Gelegenheit und lerne, koche, genieße! 

¹https://veganuary.com/wp-content/uploads/2021/12/Veganuary_2022_Pressekit.pdf