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Pilates: Ganzheitlich und tiefgreifend

Du möchtest deinem Körper etwas Gutes tun und kräftiger, beweglicher und ausdauernder werden? Deine Koordination trainieren, dir eine gesunde Körperhaltung zulegen und deine Körperwahrnehmung verbessern?

Dann solltest du Pilates ausprobieren! Dieses Trainingssystem funktioniert deshalb so gut, weil es ganzheitlich auf Flexibilität und Stabilität ausgerichtet ist und nicht nur isolierte Muskeln, sondern immer mehrere Muskelgruppen gleichzeitig trainiert – und das äußerst schonend für Muskeln und Gelenke. Insbesondere die tieferen Muskeln, die unter den großen Muskelsträngen liegen und als Stützmuskeln für eine gesunde und stabile Haltung zuständig sind, werden angesprochen. Indem du diese Muskeln trainierst, kannst du deinen Körper von innen heraus kräftigen und definieren. Durch bewusste Atmung verbesserst du gleichzeitig deine Körperwahrnehmung.

Yoga – Pilates – Yogilates?

Erinnert dich das an Yoga? Kein Wunder, denn viele Elemente – wie etwa die Steigerung von Beweglichkeit, Gleichgewicht und Stabilität, das bewusste Atmen und die Wahrnehmung des eigenen Körpers – spielen in beiden Sportarten eine zentrale Rolle.

Natürlich gibt es auch Unterschiede – so verwenden Yoga und Pilates beispielsweise verschiedene Atemtechniken und die Übungen werden unterschiedlich durchgeführt: Bei Yoga-Übungen wechseln sich Anspannung und Entspannung ab, beim Pilates dreht sich alles um geschmeidige und flüssige Bewegungsabläufe. Du musst aber nicht zwischen den beiden Sportarten wählen, wenn du nicht möchtest: Yoga und Pilates ergänzen sich so gut, dass du beides praktizieren kannst – sogar gleichzeitig in der Mischform „Yogilates“.

Der wohl größte Unterschied liegt in der Entstehung und Zielsetzung: Yoga entstand vor über 5000 Jahre aus einer altindischen philosophischen Lehre. Deshalb ist Yoga nicht nur Sport, sondern eine allumfassende Lebensphilosophie mit dem Ziel, Körper, Geist und Seele zu vereinigen. Neben dem sportlichen Part kommen hier beispielsweise auch Entspannungs- und Meditationstechniken und dem achtsamen Umgang mit sich selbst und der Umwelt eine große Bedeutung zu. Pilates wurde dagegen erst vor 100 Jahren als systematisches Ganzkörpertraining entwickelt.

Von Häftlingen übers Ballett bis zur Trendsportart

Joseph Pilates (* 1883 in Mönchengladbach) interessierte sich schon in jungen Jahren für Bewegungslehre und verschiedene Sportarten und Trainingsmethoden, u.a. Turnen, Bodybuilding und Yoga. Er lebte und arbeitete in Großbritannien – und wurde als Deutscher während des ersten Weltkriegs interniert. Damit er und seine Mithäftlinge sich trotzdem eine gute Haltung und Kondition bewahren bzw. aufbauen konnten, entwickelte er die Pilates-Methode.

In den 30er Jahren wanderte Joseph Pilates in die USA aus, wo er ein Trainingsstudio in New York eröffnete. Weil es im selben Gebäude lag wie das „New York City Ballet“, verbreitete sich die Sportart besonders bei den Tänzern und Tänzerinnen – und wie auch das Ballett hatte Pilates lange Zeit ein sehr weibliches Image.

In den 90er Jahren kam dann der Durchbruch und Pilates wurde zur Trendsportart. Heute ist Pilates nicht mehr nur bei Frauen, sondern auch bei Männern extrem beliebt, Pilateskurse dürfen in keinem Fitnessstudio fehlen und selbst dem größten Sportmuffel ist der Name ein Begriff.

Egal ob jung oder alt, Couch-Potato oder schon sportlich aktiv …

… probiere es doch einfach aus! Pilates eignet sich für Menschen in allen Lebenslagen, weil du die Übungen ganz individuell an dein Leistungsniveau und deinen Gesundheitszustand anpassen kannst. Für den perfekten Einstieg haben wir dir noch ein paar Informationen und Tipps zusammengestellt:

Die 6 grundlegenden Pilates-Prinzipien

Das Pilates-Training umfasst verschiedene Übungen zur Stärkung der Muskeln und zur Steigerung der Beweglichkeit. Für den optimalen Trainingserfolg solltest du diese Grundprinzipien beherzigen:

  • Achte auf eine kontrollierte Durchführung aller Bewegungen.
  • Führe die Übungen als fließende Bewegungsabfolge aus.
  • Stimme deine Atmung auf die Übung ab – vor der Anstrengung einatmen, mit der Anstrengung ausatmen.
  • Konzentriere dich auf das, was du tust.
  • Sei präzise bei der Ausführung. Gerade, wenn du alleine trainierst, musst du dich selbst prüfen und korrigieren.
  • Sorge für Zentriertheit. Darunter versteht man die Vorstellung, dass jede Bewegung von deinem Körperzentrum, dem „Powerhouse“, ausgeht. Bevor du die eigentliche Übung beginnst, achte daher immer darauf, dass dein Körperzentrum stabil ist, erst dann kannst du die Energie „nach außen“ in deine Arme und Beine leiten.

Auf die Matte, fertig, los!

Jetzt bist du dran! Für Pilates brauchst du nur eine Matte (alternativ auch Teppich, Decke oder Handtuch) und einem Paar Hanteln (oder Wasserflaschen). Im Idealfall solltest du dich als Anfänger von einem Trainer oder einer erfahrenen Person anleiten lassen. Wenn das nicht geht, dann informiere dich genau über die korrekte Durchführung – in Büchern oder im Internet findest du hochwertige Anleitungen und Trainingsvideos. Denn auch wenn das Verletzungsrisiko beim Pilates eher gering ist, können falsch durchgeführte Übungen mehr schaden als nutzen.

Und das Wichtigste: Höre auf deinen Körper! Wenn sich etwas falsch anfühlt, dann brich die Übung ab – Schmerzen und Überbelastung sind definitiv nicht erwünscht. Umgekehrt gilt natürlich dasselbe: Fühle die Anstrengung während des Trainings, genieße das Erfolgsgefühl nach dem abgeschlossenen Workout, und freue dich über die positiven Auswirkungen auf deine körperliche Gesundheit, die sich einstellen werden, wenn du am Ball bleibst!

 

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